Digitaler Kick-Off – TVstud Brandenburg

++Weitersagen und Vorbeikommen++

🚩Kick-Off zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen der studentischen Beschäftigten (Einführung eines Tarifvertrages)

++Am Donnerstag (17.03.) um 18 Uhr online++

😤Die Arbeitsbedingungen der WHK und SHK an Brandenburger Hochschulen sind schlecht. Die Vertragslaufzeiten sind kurz und die Bezahlung zu niedrig. Grundlegende Rechte wie Urlaub oder die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall werden oft nicht gewährt.

🗣Es wird Zeit, dass wir uns als studentische Beschäftigte zusammenschließen und uns für bessere Arbeitsbedingungen einsetzen. Gemeinsam sind wir stark – ohne uns läuft im Wissenschaftsbetrieb nichts! Das sind beste Voraussetzungen, damit wir uns auch in Brandenburg einen studentischen Tarifvertrag (TVStud) erkämpfen.

⏰Wir treffen uns am Donnerstag (17.03.) um 18 Uhr auf Zoom zu unserer Auftaktveranstaltung. Wir wollen uns zu unseren aktuellen Arbeitsbedingungen an den Hochschulen austauschen und Strategien für die weitere Kampagne entwickeln. Die Zugangsdaten: https://uni-potsdam.zoom.us/j/68442776237 (Kenncode: 16526965).

📣Als gewerkschaftliche Initiative wollen wir diesen Tarifvertrag gemeinsam mit euch erstreiten. Das Momentum ist gut – bundesweit gibt es bereits studentische Initiativen in allen Bundesländern. Und auch erste Erfolge haben sich eingestellt: die Arbeitgeber*innenseite hat Gespräche zu einem TVStud Mitte diesen Jahres zugesagt. Jetzt müssen wir dranbleiben, sonst verpufft der Erfolg wieder!

❓Weitere Infos zu der Kampagne findest du hier: https://www.gewstudis-brandenburg.de/tv-stud-brandenburg/

💌Um auf dem Laufenden zu bleiben kannst du sehr gerne unserer Signal-Gruppe unter dem Einladungs-Link beitreten: https://signal.group/#CjQKIANaFozBv1ivc0pIDp2FThG9E7d2HFVWJ6467inIaRx9EhB3y3hBm5hdEr6pd1xvW8ZU

📲Folge unseren Social-Media-Accounts, dort stehen wertvolle Information zu deinen Rechten im Job und zu unserer Kampagne zur Verfügung:
Insta/Twitter: @tvstud_bbg

PM: Unterstützung des Brandenburger Wissenschaftsministeriums kam bei Studierenden nicht an

P R E S S E M I T T E I L U N G

Unterstützung des Brandenburger Wissenschaftsministeriums kam bei Studierenden nicht an

Studentenwerke konnte die Coronahilfen des Landes fast gar nicht auszahlen

28.06.2021

Potsdam – Der in der letzten Woche vom Studentenwerk Potsdam veröffentlichte Geschäftsbericht zeigt, dass dort gerade mal 41 Studierende im letzten Jahr von den Coronahilfen des Landes profitieren konnten. Auf Nachfrage der Studierenden in der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) beim zweiten Brandenburger Studentenwerk Frankfurt/Oder, bestätigte dieses, dass dort ebenfalls nur 25 Anträge bewilligt wurden. Damit betrug die Gesamtausschüttung der Coronahilfen an Brandenburger Studierende 19.800 € und damit fast schon lächerlich wenig.
Das Wissenschaftsministerium hatte den beiden Brandenburger Studentenwerken 500.000 € für Coronahilfen an Studierende zur Verfügung gestellt, dabei aber nur sehr schwer zu erfüllende Kriterien an die Vergabe der Gelder geknüpft.(1) So musste der Antrag auf Überbrückungshilfe beim Bund aus spezifischen Gründen zunächst abgelehnt worden sein. Rund 40 Prozent der Studierenden mussten in Coronazeiten mit weniger Geld auskommen. Dabei ist der Geldbeutel bei diesen oftmals schon chronisch knapp.
„Der Geschäftsbericht zeigt, wie wenig effektiv das Wissenschaftsministerium den notleidenden Studierenden tatsächlich geholfen hat. Gerade mal 61 der rund 50.000 Brandenburger Studierenden erreichte die Corona-Nothilfe.Natürlich wäre eigentlich der Bund verantwortlich gewesen. Hier wurde aber schon schnell nach Beginn der Pandemie klar, dass echte Hilfen von dort nicht zu erwarten sind. Die Ministerin hatte vollmundig Hilfen versprochen, die die Studierenden aber kaum erreicht haben.“, so der Sprecher der Brandenburgischen Studierendenvertretung (BRANDSTUVE) Jonathan Wiegers.
Andere Bundesländer haben auf die mangelnden Hilfen des Bundes effektivere Mittel zur Unterstützung der Studierenden gefunden. So hatte das Land Berlin bspw. einen „Fonds zur Teilhabe am Online Campus“ aufgelegt, bei dem sich die Studierenden vergleichsweise unbürokratisch einen Zuschuss zur Verbesserung ihrer technischen Ausstattung holen können.(2) Durch den Technikfonds konnten alleine in dem Zeitraum vom April 2020 bis März 2021 3.600 Studierende Unterstützung erfahren und damit auch im Verhältnis zu Brandenburg viel mehr Menschen geholfen werden.
„Es ist wirklich bedauerlich, wie öffentlichkeitswirksam die Unterstützung verkündet wurde und wie das Geld dann klammheimlich am Ende des letzten Jahres wieder eingesammelt wurde. Das Ministerium sollte in einer vergleichbaren Situation auf andere Instrumente setzen, die den Studierenden wirklich helfen.“, so die Sprecherin der GEW Studis Marina Savvides.

Den Geschäftsbericht des Studentenwerks Potsdam finden Sie unter dem folgenden Link unter dem Reiter „Publikationen“: https://www.studentenwerk-potsdam.de/wir-ueber-uns/unternehmenskommunikation/ (die Zahlen zur Coronahilfe des Landes gibt es auf S. 39).

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Brandenburg vertritt knapp 9.000 Studierende, Pädagog*innen und Wissenschaftler*innen und ist die Bildungsgewerkschaft im deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Zur Gruppe der GEW Studierenden gehören alle Studierenden der GEW Brandenburg. 
Die Brandenburgische Studierendenvertretung (BRANDSTUVE) ist die gesetzlich verankerte Landesvertretung der Studierendenschaften. Sie vertritt die ca. 50.000 Studierenden des Landes.

2 https://www.technikfonds-berlin.de/start

PM: „Das ist unsere Chance auf bessere Hochschulen!“

GEW Studierende Brandenburg:
„Das ist unsere Chance auf bessere Hochschulen“

 

Potsdam – Die Studierenden in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Brandenburg veröffentlichen heute gemeinsam mit der Brandenburgischen Studierendenvertretung (BRANDSTUVE) einen Forderungskatalog zur Novellierung des Brandenburgischen Hochschulgesetzes. „Die Hochschulen sind Orte des Lernens, des Arbeitens und der Wissensproduktion. Finanziert werden sie vor allem vom Land – also von uns allen. Davon merkt man an den Hochschulen allerdings recht wenig. Wir wollen, dass die Hochschulen ihrer gesellschaftlichen Aufgabe und Verantwortung gerecht werden. Das heißt konkret: Mehr Demokratie und Transparenz wagen, eine echte Anbindung an die Gesellschaft herstellen, Klimaschutz ernst nehmen und Forschung an friedlichen Zwecke binden.“, sagt die Sprecherin der GEW Studierenden, Sabrina Arneth.

Weitere Forderungen der Studierendenvertretungen beziehen sich auf Vielfalt und Antidiskriminierung, sowie auf die Studien- und Arbeitsbedingungen an den Hochschulen. „Weder Studium noch Wissenschaft sind Ehrenämter. Die Arbeitsbedingungen an Hochschulen sind katastrophal und gute Lehre für die Studierenden beruht meist auf Selbstausbeutung der Beschäftigten. Aber auch das Studium muss durchlässiger werden: Es sollte allen – jenseits von Herkunft und Status – möglich sein, zu studieren, wenn sie das denn wollen. Dafür braucht es mehr Flexibilität und Selbstbestimmung im Studium, sowie die Kostenfreiheit von Hochschulbildung für die Studierenden.“, ergänzt Erik Zander, ebenfalls Sprecher der GEW Studierenden.

Ende Februar hatte das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur (MWFK) um Vorschläge zur Weiterentwicklung des Gesetzes gebeten. Die Regierungsparteien hatten eine Novelle des Hochschschulgesetzes in ihrem Koalitionsvertrag vorgesehen. Mit ihrem Forderungspapier kommen die Studierendenvertretungen der Bitte des Ministeriums nach. Nach eigenen Angaben arbeitet das MWFK bereits an einem Gesetzesentwurf. Die Studierenden sind sich sicher, dass alle gemeinsam die Chance auf echte Verbesserungen nutzen werden. Der Referent*innenentwurf zum Gesetz wird Anfang 2022 erwartet.


Das Forderungspapier finden Sie zum Download unter: https://www.gewstudis-brandenburg.de/positionpapier-zur-bbghg-novelle/ 

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Brandenburg vertritt knapp 9.000 Studierende, Pädagog*innen und Wissenschaftler*innen und ist die Bildungsgewerkschaft im deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Zur Gruppe der GEW Studierenden gehören alle Studierenden der GEW Brandenburg. 

Die Brandenburgische Studierendenvertretung (BRANDSTUVE) ist die gesetzlich verankerte Landesvertretung der Studierendenschaften. Sie vertritt die ca. 40.000 Studierenden des Landes.

Redebeitrag zum ersten Mai 2021 – DGB Kundgebung in Potsdam

GEW Studis auf der Kundgebung zum 01. Mai 2021 in Potsdam. Alle Rechte vorbehalten.

Redebeitrag zum ersten Mai 2021 – DGB Kundgebung in Potsdam

Liebe Kolleg*innen, 
Es ist der zweite „erste Mai“ zu Pandemiezeiten. Man sollte meinen, dass gerade in Zeiten von Corona wieder einmal deutlich wird, dass wir nicht am Ende unseres Kampfes sind. Ganze Lebenszusammenhänge leiden seit über einem Jahr unter dem Kurzarbeitergeld. Der 12-Stunden-Tag wurde im Frühjahr 2021 kurzfristig auf dem Rücken von Arbeiter*innen in sogenannten „systemrelevanten Berufen“ wieder eingeführt. Der bundesweite Tarifvertrag in der Altenpflege scheitert an der Caritas. Die  großen Arbeitgeber, wie Lufthansa, Galeria-Kaufhof-Karstadt, TUI, Sixt oder ThyssenKrupp, erhalten unkomplizierte Soforthilfe. Doch wenn internationale Unternehmen Geld vom Staat bekommen, kommt das selten den Beschäftigten zu gute. Während die Beschäftigten in Kurzarbeit geschickt werden und damit die Lohnkosten radikal sinken, zahlen BASF, Daimler, Volkswagen und Co. Millarden an Dividenden an ihre Anteilseigner aus. Im gleichen Moment stehen viele kleine und mittelständige Unternehmen, die vor allem die ostdeutsche Unternehmenslandschaft ausmachen, vor dem Bankrott; die Beschäftigten vor dem Arbeitsplatzverlust – und (oft) junge Menschen, die ihren Bildungsweg noch gar nicht abgeschlossen haben, Studierende, müssen sich jetzt verschulden, um ihr Studium weiter zu führen, während der Staat mit ihrer Not Profite macht. 
Da läuft doch alles schief! 

Gleichzeitig werden ganze Gruppen von Menschen vollkommen vergessen. Dazu gehören Geflüchtete, die in Lagern eingesperrt sind, keinen Abstand halten können, sich nicht isolieren können, oder an den europäischen Außengrenzen leiden. Dazu gehören auch ausländische Saisonarbeiter*innen, die teilweise in Containern ohne ausreichenden Gesundheitsschutz wohnen müssen und nun – inmitten einer Pandemie – vier Monate ohne Kranken- und Sozialversicherung arbeiten „dürfen“, während deutsche Erntehelfer*innen 2020 von den Medien als „Held*innen“ gefeiert wurden. 
All diese Dinge klingen in unseren Ohren so dramatisch, dass man meinen könnte, wir hätten sie uns zu populistischen Zwecken ausgedacht. Das ist nicht der Fall. Das sind die „goldenen 20er“!

Fragt man eine Person: „Willst du lieber ein gutes Leben oder ein schlechtes Leben haben?“ wird sie sagen, „Ein Gutes.“. Fragt man weiter, was denn dafür wichtig sei, kommt man häufig auf die Anwort: Gesundheit, finanzielles Auskommen, ein liebevolles und stabiles soziales Umfeld (Freund*innen, Familie, Partner*innenschaft) und ein Zuhause, in dem man sich wohl fühlt. Überall werden diese Grundpfeiler des guten Lebens aktuell angegriffen und wir, die Gewerkschaften, verharren im „Weiter wie bisher“. Wir müssen uns aber wandeln, weil die Welt sich wandelt. Wir alle wollen immer noch das gute Leben, mit guten Arbeitsbedingungen, auskömmlicher Entlohnung und Zeit für anderes – aber der Weg, wie wir dahin kommen können, hat sich gewandelt. Die Waffen derjenigen, die anzweifeln, dass alle Menschen, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe und, ja, auch des Erwerbsstatus, ein gutes Leben haben können müssen, haben sich gewandelt: Unionbusting, Scheinbeteiligung, Populismus, Verschwörungmythen, Vereinzelung und Kapitalismus. 

Dabei sind wir mitten in einer größten Krisen der Menschheit. Nein, wir meinen nicht Corona, wir meinen die Klimakrise. Die Pandemie wird sich eingrenzen lassen, Corona und zukünftige Pandemien werden nicht ganz verschwinden, aber das so oft eingeforderte „normale Leben“ wird wieder möglich sein. Doch dieses normale Leben, was wir hier führen, geht massiv zulasten des Klimas und damit Zulasten der jüngeren Generationen. 
Wenn wir das Klima schützen wollen – wenn es um unser JETZT geht und um unsere Zukunft – dann wird es eine Transformation brauchen. Eine Transformation, die auch einen Strukturwandel in der Arbeit mit sich bringen wird. Wir stehen nicht mehr am Anfang, sondern wir sind mittendrin. Und wenn dieser Wandel nicht an uns vorbei passieren soll, dann müssen wir auch uns verändern. Wir müssen basisdemokratischer, mutiger, kämpferischer und selbstbewusster werden! Wir dürfen keine Angst davor haben, über die Zukunft und Utopien zu diskutieren! Wir müssen mehr Beschäftigte erreichen, sie einbeziehen und Kämpfe führen und gewinnen! 

Im Osten sind die Gewerkschaften schwach und die Tarifbindung eher niedrig, heißt es. Die Zerschlagung und Schließung eines großen Teils der ehemaligen Staatsbetriebe durch die Treuhand, hat verheerende Auswirkungen bis heute. Damals waren die westdeutschen DGB Gewerkschaften im Verwaltungsrat der Treuhand-Anstalt vertreten, konnten dessen Kurs der schnellen Privatisierung mit all ihren Brüchen also teilweise mitbestimmen. Zum Schutz der westdeutschen Arbeitsplätze und aus Angst vor der ostdeutschen Konkurrenz wurden Schließungen hingenommen, die Solidarität mit den ostdeutschen Arbeiter*innen hielt sich in Grenzen.
Auch wurden in den Betrieben teilweise Arbeitskämpfe ohne die Gewerkschaften oder mit neugegründeten Gewerkschaften, wie der NGG Ost, bestritten. Bischofferode ist hier vermutlich das bekannteste Beispiel. Die jüngere Zeitgeschichte zum Thema „Wiedervereinigung“ ist noch nicht aufgearbeitet. Es ist aber bereits sichtbar, dass es hätte besser laufen können und dass die Gewerkschaften vielleicht solidarischer, umsichtiger und aktiver zugleich hätten sein können. Die Wendezeit bedeutete einen schnellen Bruch, statt einer gemächlichen Annäherung. 

Und vor einem solchen Bruch stehen wir wieder! Auch wir haben die Klimakrise nicht rechtzeitig als die existenzielle Krise anerkennnen wollen, die sie ist. Doch diesmal muss es besser laufen – und besser heißt nicht ohne uns! 
Dabei müssen wir uns an die Spitze des Strukturwandels stellen und dürfen auch vor mutigen Forderungen nicht zurückschrecken. Wir müssen das gute Leben mit einem schnellen Ausstieg aus der Kohle verbinden. Wir dürfen uns nicht als Gegner*innen der Klimabewegung sehen, sondern als deren Partner und gemeinsam um gute Lösungen ringen. Noch können wir diesen Prozess gestalten, bevor wir nur noch passiv auf Hiobsbotschaften reagieren können.
Die Wende stellte die Systemfrage sowie die Klima- und Coronakrise sie heute dringender denn je stellen. Sowohl damals als auch heute lautet die Krise Kapitalismus. Erwerbslosigkeit ist ein Krisenphänomen – und kein individuelles Versagen – und wir als Gewerkschaften sind gefordert uns dieser Thematik offensiver zu stellen.

Wir möchten einen letzten Grund nennen, warum wir uns als Gewerkschaften wandeln müssen: In zweieinhalb Stunden werden sich auf diesem Platz, da wo wir aktuell stehen, die Menschenfeinde der AfD versammeln. Die AfD hat in ihren Reihen Antidemokraten und Neo-Faschisten, sie werten die „Deutschen“ auf und die anderen ab. Den Grundsatz der Gleichwertigkeit aller Menschen erkennen sie nicht an. Sie treffen sich heute am 1. Mai, dem Tag der Arbeiter*innen, unter dem Motto „Sozial ohne Rot zu werden“ – und wir? Wir machen ihnen Platz!

Rückschau auf den April 1933: 
  • Goebbels notiert: „Den 1. Mai werden wir zu einer grandiosen Demonstration deutschen Volkswillens gestalten. Am 2. Mai werden dann die Gewerkschaftshäuser besetzt. Gleichschaltung auch auf diesem Gebiet (…). Es wird vielleicht ein paar Tage Krach geben, aber dann gehören sie uns.“ 
  • Hitler erklärt den 1. Mai zum „Feiertag der nationalen Arbeit“.

Es besteht kein Zweifel daran, dass Teile der AfD an diesen Weg anknüpfen wollen. Und nein, das heißt nicht, dass alle AfD-Wähler*innen Nazis sind, sondern dass alle AfD-Wähler*innen, Faschist*innen tolerieren und ihnen helfen, ihre Normalisierungstrategie umzusetzen. Aber das heißt nicht, dass nicht einige der angegebenen Gründe der AfD-Wähler*innen für ihre Wahlentscheidung nicht valide sind, dass die Ängste nicht real sind. 
Aber für uns ist klar: Ungleichwertigkeitsideologien können nie Grundlage unseres Handelns sein. Den Problemen und Ängsten ist solidarisch zu begegnen. 
Dass der DGB Kreisverband auf Anfrage der Jugend nicht bereit war, ihr Konzept für diese Kundgebung im Angesicht der AfD anzupassen, ist für uns ein Armutszeugnis. Deswegen rufen wir euch auf: Bleibt noch hier. Überlasst den rechten Menschenfeinden nicht den Platz und schließt euch dem Gegenprotest an, der ab 16.00 Uhr vor dem Filmuseum angemeldet ist. Nehmt die Gewerkschaftsfahnen mit. Damit sich 1933 nicht wiederholt, sagen wir: 1. Mai Nazifrei! 

Wir hätten jetzt viel mehr über die Stituation der Studierenden während Corona erzählen können, über das Wegbrechen der Nebenjobs, über das Versagen der Bundesregierung, Abhilfe zu schaffen, über die Novellen des Brandenburgischen Hochschulgesetzes sowie des Landespersonalvertretungsgesetzes, an denen wir gerade intensiv arbeiten… Aber die Dringlichkeit einer gewerkschaftlichen und gesellschaftlichen Transformation ist höher und wir wollten diese Gelegenheit nutzen, um dazu das Wort an euch zu richten. 
Wir setzen uns im Rahmen unserer Tätigkeiten für eine Demokratisierung von Hochschulen, für ein Ende von Befristung und Prekarität und die Gleichbehandlung aller Beschäftigten an Hochschulen ein. Betriebliche Kämpfe, genauso wie Kämpfe um die Demokratisierung von Strukturen, sind Kommunikation. Wir zeigen damit allen, die die Demokratie schwächen wollen, dass kollektive Selbstwirksamkeit das wirksamste Mittel gegen den Faschismus ist. Im Angesicht aller Krisen, denen wir gegenüber stehen, ist das einer der wichtigsten Beiträge, den wir leisten können und müssen.

In diesem Sinne: Lasst uns uns gemeinsam wandeln und sagen: „Her mit dem guten Leben!“ Danke. 

Redebeitrag: Solidarische Zukunft statt Kapitalismus

Redebeitrag: Solidarische Zukunft statt Kapitalismus

1     Corona und Studium

¾ der Studierenden in Brandenburg arbeiten neben dem Studium. Die wenigsten zum Spaß. Die meisten, weil sie sich nur so das Studium leisten können. BAföG, ein halbes Darlehen vom Staat, bekommt fast niemand mehr. Gerade mal 12%. Mit Corona sind vielen Studis die Nebenjobs weggebrochen – insbesondere in der Gastro- und Kulturbranche. Es gab vermehrte finanzielle Notlagen, Studienabbrüche und eine lächerliche Staatshilfe, die überwiegend aus Krediten zu miesen Konditionen bestand.

Natürlich traf die Corona-Pandemie nicht alle gleich: Studierende, die als erste in ihrer Familie ein Studium aufgenommen haben, haben häufiger nicht das Selbstbewusstsein ein Studium trotz der ganzen Widrigkeiten, die das Leistungssystem und nun auch Corona an sie stellen, weiterzuführen, wie es die Menschen mit Akademiker*inneneltern meist haben. Studierende, deren Eltern arm sind oder deren Eltern zuvor prekär beschäftigt waren und durch Corona arm geworden sind, die sich mit einem oder mehr Jobs das Studium finanziert haben, können dies nun nicht mehr tun.

Aber auch die Isolation setzt den Studierenden zunehmend zu. Das Studium ist für viele mit einem Umzug verbunden, weshalb die sozialen Netzwerke schwächer sind. Schon vor Corona stieg die Zahl der psychischen Erkrankungen unter Studierenden aufgrund des Leistungsdrucks stetig an. Corona gab dieser Entwicklung nur einen Boost. Natürlich betrifft das nicht nur Studierende. Vermutlich sind sehr viele unter euch oder in eurem direkten Umfeld, die schon einmal einen Therapieplatz gesucht haben. Ihr werdet das Problem kennen. Die Politik schafft auf diesem Feld übrigens mit ihrer Idee der Kassensitze eine künstliche Knappheit an Therapieplätzen. Eigentlich gäbe es viel mehr Therapeut*innen, die bereit wären, Kassenpatient*innen aufzunehmen. Aber das Krankenkassensystem ist noch einmal ein Thema für sich.

Jetzt werden diese bekannten Probleme aber instrumentalisiert, um verfrühte Lockerungen und weitere Maßnahmen zu rechtfertigen, die die Wirtschaft für einen besseren Infektionssschutz einschränken würden. Dabei wird zugelassen, dass dieses Thema von Cornoa-Verharmloser:innen und -leugner:innen besetzt wird.

Das dürfen wir nicht zulassen. Tatsächlich gehören Menschen mit schweren psychischen Belastungen zur Risikogruppe, aber Jens Spahn plant Treffen mit verwirrten und verwöhnten Schauspieler:innen.

Stattdessen müssen jetzt erstens wirkliche Aufklärungsarbeit gegen die Stigmatisierung von psychischen Erkrankungen geleistet werden, zweitens nachhaltig eine bessere Therapieinfrastruktur geschaffen werden und drittens psychischen Belastungen vorgebeugt werden. 

Auch hier gilt: Wir sind alle – jetzt oder zukünftig – Patient*innen! Und deshalb geht das Versagen der Gesundheitssteuerung und die Ökonomisierung des Gesundheitssystems uns alle was an! 

2     Wissenschaft, Arbeit, Befristung, Pandemie

Wissenschaftler*innen waren für die einen die Held*innen für die anderen die Feind*innen in der Pandemie. Wir möchten euch einen kurzen Einblick in die Arbeitswirklichkeit der Hochschulen geben. Den Ort, wo das Wissen, auf das sich alle die ganze Zeit beziehen, um die Pandemie zu bewältigen, erarbeitet wird. Denn Wissenschaftler*in ist ein Beruf, keine gottgegebene Berufung – auch wenn das viele nicht so ganz wahrhaben wollen. Die Corona-Pandemie hat alle ins Home-Office geschickt. Für viele war das gut möglich, da sie praktischerweise schon einen Arbeitsplatz zuhause hatte, von dem aus sie die unbezahlten Überstunden am Wochenende oder am Abend gemacht haben. Für Menschen mit Kindern und Care-Aufgaben sah die Welt, wie in allen Branchen, mit der Schließung von Schulen und Kitas plötzlich ganz anders aus. Menschen, die Sorgearbeit ernst nehmen, häufig Frauen, sehen sich bereits weniger in die Lage versetzt in der Wissenschaft zu langfristig zu arbeiten, Corona war da für viele der letzte nötige Tritt vors Schienbein. Denn während in der sog. Freien Wirtschaft immerhin 90% der Beschäftigten unbefristete Arbeitsverträge haben, sind es in der Wissenschaft gerade mal 10%. In dieser ständigen Prekarität lässt es sich schlecht leben, und (?)wenn man sich um andere sorgt oder Familie hat noch mieser.

3     Wissenschaftsfeindlichkeit und Wissenschaftsreflexion

Ohne die Erkenntnisse moderner Forschung und Wissenschaft hätten wir keine guten Bewältigungsstrategien gegen das Virus entwickeln können. Diese Ergebnisse verdanken wir guter wissenschaftlicher Praxis. Doch nicht immer wurden wissenschaftliche Erkenntnisse genutzt und diese gute wissenschaftliche Praxis ist gefährdet:

Es wurde in letzter Zeit viel über DIE Wissenschaft gesprochen. Aber die die eine Wissenschaft gibt es in dieser Form nicht. Im Gegenteil: Wissenschaft – und Erkenntnisfortschritt – leben von der Heterogenität der Forscher*innen, der Paradigmen, der Ideen und der Methoden, sie leben vom Zweifel, vom Überprüfen und Nachvollziehen, von Theorie und vom Zeit zum Nachdenken und sorgfältigen Arbeiten. Genau das ist jedoch der Common Sense, der von verschiedenen Spielarten der Wissenschaft akzeptiert wird und der Erkenntnisse auf eine bestimmte Art und unter Reflexion seiner Methoden hervorbringt. Diese Kriterien guten wissenschaftlichen Arbeitens lassen uns wissenschaftliche Arbeiten von unwissenschaftlichen Arbeiten unterscheiden. Allerdings kann, wer in derartiger Prekarität lebt und ständig neue Artikel und Bücher veröffentlichen muss, um eine Chance auf weitere Jobs zu haben, sich dem nicht in dem Ausmaß der Genauigkeit und Reflexion des guten wissenschaftlichen Arbeitens widmen, wie er*sie es vllt. selber gerne würde. So wird Wissenschaft durchschnittlich oberflächlicher, Überprüfungen seltener, kleine methodische Schummeleien, die zu spektakuläreren Ergebnissen führen, häufiger, es gibt einen erhöhten Anpassungsdruck und kritische Wissenschaft wird seltener.

Das öffnet auch Tür und Tor für den – oft politischen – Missbrauch Status, Titeln und Prestige in einem stark hierarchischen System, auf den sich auch die Corona-Leugner*innen zum Teil beziehen. Dennoch: Alle Wissenschaftler*innen sind Menschen und keine Forschung ist vollkommen „neutral“. Der Faktor Mensch lässt sich nicht komplett wegkürzen. Man kann nur probieren, die Nachvollziehbarkeit, die Überprüfbarkeit und Reflexion dieses Umstandes mit einzubeziehen.

Dass in dieser Pandemie so viel Missbrauch mit Wissen und Wissenschaft betrieben werden konnte, liegt auch hieran. Die kapitalistische Denkweise, die Ökonomisierung von Wissenschaft und Forschung, die gute Wissenschaftliche Praxis wird quasi verunmöglicht, solange man nicht auf einer Professur hockt. Aber – wie bereits ausgeführt – wird man schon im Studium in dieses prekäre Leistungssystem, in dem man nur durch Durchsetzungsstärke im Konkurrenzkampf, Ellenbogenmentalität und Masse statt Qualität gewinnen kann, hineinsozialisiert – von der kapitalistischen Gesellschaft überall sonst ganz zu schweigen! 

4       Forderungen

  • Wir wollen Entfristung und Schluss mit der prekären Arbeit für alle Beschäftigtengruppen!
  • Wir wollen, dass alle studieren können und für ihr Auskommen großzügig gesorgt wird!
  • Wir wollen Gesundheitsschutz für Alle Mitglieder der Hochschulen während der Pandemie, aber auch sonst!
  • Wir wollen eine Auflösung des Lehrstuhlprinzips – Schluss mit dem Hochschulfeudalismus!
  • Wir wollen ein Ende des Leistungsdrucks – Hochschulen für Alle und Zeit zum Lernen!
  • Wir wollen die Hochschulen demokratisieren, sie von denen mitbestimmt werden, die dort lernen und arbeiten!

Als Studierende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft wollen wir uns Ökonomisierung entgegenstellen, die Gemeinwohlorientierung der Hochschulen ausweiten, Räume für kritischen Denken, emanzipatorisches Lernen und freie Wissenschaft schaffen. Hochschulen müssen Treiber der solidarisch-ökologischen Transformation und nicht Handlanger des Kapitalismus sein. Corona hat nur nochmal gezeigt, dass es so nicht weitergeht.